Frühe und Mittlere Bronzezeit: 1.800 - 1.200 v. Chr.

Raum 1, Vitrine 6, 7a, 7b, 10

Die Bronzezeit wird nun in erster Linie durch die aus Metall, Bronze ist Kupfer mit Zinn legiert, gefertigten Waffen und Werkzeuge bestimmt.

Mit der Erzgewinnung und -aufbereitung und der Metallverwertung ging eine Herausgliederung neuer Berufsgruppen Hand in Hand. Weiters blühten Handwerk und Handel auf. Dadurch erfolgten aber auch soziale Differenzierungen und eine Herausbildung von Machtgefügen. Neben dem Weiterbestehen rein bäuerlicher Siedlungen kommt es nun an günstig gelegenen Punkten (auf Bergkuppen entlang alter Handelswege, z. B. Bernsteinstraße) zur Gründung von Handels- und Handwerkszentren, die auch künstlich befestigt sein können (Wälle und Gräben).

Die für die Frühe Bronzezeit charakteristische Bestattungsform ist das Hockergrab: der Tote wird in Seitenlage angehockt (=Schlafstellung) bestattet. Neben einigen einzelnen Hockern besitzt Bernhardsthal auch einen größeren Friedhof: er wurde in der ehemaligen Gemeindesandgrube in der Flur Unfrieden (Parz.902, Fundstellenkarte:1) beim Abbau angeschnitten und teilweise zerstört. Dank der Aufmerksamkeit von Otto Berger konnten 1956 aber die Beigaben von fast 40 der wohl ehemals etwa 80 Gräber gerettet werden. Ihnen ist jetzt im Raum 1 die gesamte Vitrine 2 gewidmet.

 

Abb. 1: Beigaben aus dem frühbronzezeitlichen Hockergräberfeld von Bernhardsthal,
Flur Unfrieden (ehemalige Gemeindesandgrube, Parz. Nr. 902):
Für die Aunjetitzkultur typische Gefäßformen. 1-3: Tassen, 4: Napf, 5: Schale und 6: Topf (Zeichnung: Walter Berger)

Es werden sowohl einige komplette Grabinventare (etwa von Grab 14, 21, 34 und 35) als auch typische. Einzelobjekte vorgestellt. Diese ermöglichen die eindeutige Zuordnung des Friedhofes zur frühbronzezeitlich en Aunjetitzkultur, die in dieser Form in Mähren und in Nordniederösterreich weit verbreitet ist. Erwähnenswert sind bei den Bronzen Schmuckstücke, wie Spiralröllchen, Noppen-, Locken-, Finger- und Ohrringe, und bei den Keramiken Tassen, Näpfe, Schalen, Schüsseln, Töpfe, Löffel etc. (vgl. dazu Abb. 1). In der Mitte der Vitrine befindet sich noch die schematische Darstellung eines Hockergrabes.

Bei der Ausgrabung 2014/15 durch Jiří Macháček von 2 der 39 slawischen Hügelgräber im Föhrenwald stellte sich heraus, dass die Grabhügelaufschüttungen mit Material erfolgte, das Fundmaterial aus der Aunjetitzzeit beinhaltete. 2 Gefäße konnten teilrestauriert werden und stehen nun über/in der Vitrine 10.

Ein Teil der Vitrine 7 ist der sog. Věteřovkultur, einer Nachfolgeerscheinung der Aunjetitzkultur an der Wende von der Frühen zur Mittleren Bronzezeit, vorbehalten. Hier wird ein kleiner Einblick in den Formenreichtum dieser Zeit der „Hochkonjunktur” gegeben: fässchenförmige Tassen, Krüge, ein amphorenartiger Topf und ein großes Vorratsgefäß in bester Tonqualität sind zu nennen. Nicht vergessen werden dürfen auch Düsen, Perlen und Nachbildungen von Rädern aus Ton. Diese Objekte stammen zusammen mit der krückenförmigen Knochennadel von zahlreichen Siedlungsstellen um Bernhardsthal (z. B. in der Flur Unfrieden oder Loslingen; Fundstellenkarte: 7 und 11), meist an der nördlich des Hamelbachs verlaufenden Geländekante. Umfangreiche Funde aus der Umgebung der Hubertuskapelle (nördlich war eine Schottergrube mit Grabfunden, südlich - Füllenstand - lag in der späteren Lehmgrube eine Siedlung. Dechant Bock und Otto Berger kannten einen größeren Brennofen, der später nicht mehr zu lokalisieren war) lagern teilweise im Naturhist. Museum Wien, allein die Skelettreste von 58 Individuen in der Anthropologischen Abteilung. Eine Gesamtbearbeitung steht noch aus. 

Die beiden Barrenringe aus Kupfer oder Bronze sind Reste eines größeren Fundes vom Theimwaldrand (Fundstellenkarte: 23). Die Vergrößerung eines in Tschechien gefundenen verzierten Knochenringes soll an die bis Mykene (Griechenland) reichenden Kulturbeziehungen erinnern.

Die Mittlere Bronzezeit, die nach der weit verbreiteten Sitte, über den Gräbern kleine Hügel zu errichten, auch die Zeit der Hügelgräberkulturen bezeichnet wird, ist bislang in Bernhardsthal nur kümmerlich nachgewiesen worden. So müssen zwei Nachbildungen vom Museum für Urgeschichte in Asparn/Zaya (Krug und kleine Amphore) als Lückenbüßer fungieren.