Ein Stammbaum

Text: Friedel Stratjel 2017

Bäume sind schon seit alter Zeit ein Zeichen gewisser Stärke, die Wurzeln geben Kraft, der Stamm trägt und die Krone bietet Raum für buntes Leben. So manchem ist Yggdrasil, die Weltenesche der germanischen Mythologie, bekannt. Bei den Babyloniern streckt der heilige Baum seine Zweige in den Himmel, seine Wurzeln in die Unterwelt, der Stamm ist die irdische Verbindung. Auch in der Bibel ist ein Baum schon in den Ursprungserzählungen vorhanden.

Ein Stammbaum ist nun ein bisschen etwas anderes. Er kann z.B. ein schöner Baum in der erwanderbaren Umgebung sein. Für mich sind/waren es in Bernhardsthal gleich mehrere, erst mein großer Apfelbaum auf den Sandlehen, dann die Esche bei der Wehr am Moosanger und, in Erinnerung, die leider gefällte riesige Graupappel bei der Kläranlage.

Für die Familiengeschichte wird der Begriff „Stammbaum“ für die Darstellung der Vorfahren verwendet. Vielleicht ist es wie bei den mythologischen Bäumen, man möchte Kraft aus den Wurzeln (modern speak: roots) ziehen. Wenn man eine Darstellung weniger Generationen untereinander betrachtet, schaut es wie ein Christbaum aus, wird rasch sehr weit, da sich die Vorfahrenanzahl mit jeder zusätzlich einbezogenen Generation verdoppelt.

Die Suche nach „(Familien-)Stammbäumen“ ist nicht ganz neu, denken Sie nur an das Evangelium nach Matthäus: „Jesse autem genuit David regem“ u.s.w.

Im Altertum zog man gerne Götter in die Ahnenreihe, entweder wollte man wichtiger sein oder kannte man die eigenen Vorfahren nicht. Bekannte Herrschergeschlechter schafften es in ihren Fantasiestammbäumen bis Nero, viele Fürstenhäuser wollten ihre Herrschaft mit lang herrschender Ahnenreihe legitimieren. Im Orient ist die Abkunft von Mohammed und der Nachweis dieser Abkunft in einer Stammrolle ein wichtiger sozialer Faktor und wird durch eine eigene Turbanfarbe öffentlich gezeigt.

Für den einfachen Bürger unserer Gegend wurde ein Stammbaum erst im „3. Reich“ wichtig. Viele „Ariernachweise“ haben sich seit dieser Zeit erhalten und wurden später weitergeführt.

Ganz selten habe ich junge Leute getroffen, die von sich aus größeres Interesse an ihrem Stammbaum hätten. Meist sind es Personen im Pensionsalter, die die Familienherkunft, von der sie noch ein wenig mehr wissen als die nächste oder übernächste Generation, für ihre Nachkommen dokumentieren wollen. Mir selbst genügten lange Zeit auch 2-3 angerissene Generationen, heute, mit 76, bin ich bei 12 Generationen mit Ahnen aus der Schweiz, Schlesien, Mähren, Steiermark, der Slowakei und fast allen Orten bis Zistersdorf und Poysdorf mit über 500 Personendaten. Noch von der 8. Generation konnte ich 50% (128 der 256) der möglichen Ahnen erfassen.

Quellen für die Stammbäume sind hauptsächlich die Vorläufer der Standesämter, also die Matriken der Pfarren. Deren Inhalt muss man, oft mit Zweifel nicht nur bei „mater semper certa est“ akzeptieren.
Leider sind die Matriken oft unvollständig, schlecht erhalten und manchmal sehr schwer lesbar. Die Lücken und erkennbaren Fehler habe ich bei den Bernhardsthaler Matriken aufgelistet. In den Matriken sind Einzeleintragungen von Taufe, Hochzeit und Tod, die sich nicht immer leicht, z.B. wegen unterschiedlicher Namensschreibweise, verknüpfen lassen. Bei gleichen Namen muß man andere Quellen hinzuziehen, in Bernhardsthal helfen nur Grund- und Gewährbuch (beide bis zum 30-jährigen Krieg zurückreichend), nach denen man Personen bestimmten Häusern zuordnen kann.

Aus den in Bernhardsthal nur bis 1700 (Hausbrunn z.B. 1639) zurückreichenden Matriken und Auszügen aus den Matriken der Nachbarpfarren habe ich in schön langsam eine Datenbank mit 18.370 Geburten, 4.060 Hochzeiten und 12.170 Sterbedaten aufgebaut. Wenn möglich, sind bei den Personen Eltern und Großeltern eingetragen, bei Hochzeiten die Eltern.

Wenn nun sehr viele Vorfahren aus Bernhardsthal sind, so wie z.B. bei Maria Huber, kann man schon aus der Bernhardsthal-Datenbank einen beachtlichen Stammbaum erstellen. Für weitere Forschungen stehen die in www.matricula publizierten Matriken zur Verfügung. Bei uns sind natürlich auch die mährischen Matriken wichtig, die über die Universität Brünn abgefragt werden können.

Quellen zu Bernhardsthal

Hauptquelle sind die Register der Pfarre Bernhardsthal, d.h. Tauf-, Sterbe- und Trauungsregister, die in der Registerdatenbank zusammengeführt sind. Fehlende Eintragungen (Personen sind nicht in allen der 3 Register enthalten), Namensdivergenzen (für z.B. „Bohrn“ gibt es verschiedenste Schreibweisen) usw. wurden, wenn möglich, bereinigt. Die Daten von Reintal, ursprünglich zur Pfarre gehörend, sind nur von 1700 bis 1800 erfaßt.

Die Register beginnen 1700 und so lassen sich aus den Altersangaben des Sterberegisters die Geburtsdaten bis 1613 errechnen. Zusätzlich wurde das Grund- und Gewährbuch (Kaufverträge ab 1630), sowie das Hausregister von Franz Zelesnik (aktueller Stand in „Hausbesitzerreihen in Bernhardsthal ab 1605“) als Quelle verwendet.
Die weitest zurückliegenden Daten stammen aus dem Liechtenstein-Urbar 1644, dem Index animarum 1631 und der Geschädigtenliste 1605. Die Verbindungen dieser Daten mit den Registern sind aber mit einigen Unsicherheiten behaftet.

Stammbäume in der Liste

Die gelisteten Stammbäume erfassten alle Personen nach dem Wissenstand zum Zeitpunkt der Erstellung. Alle können über zusätzliche Register oder Matriken weitergeführt werden.
Die Auswahl der Stammbäume ist natürlich nicht ganz zufällig. Dennoch bieten schon diese wenigen Stammbäume für viele Personen mit Vorfahren aus Bernhardsthal die Möglichkeit sich einzuklinken, z.B. in die großen Familien der Schultes, Tanzer, Hess, Bohrn, Berger, Weilinger usw. und nur die letzten Generationen zu ergänzen. Sogar die Auswahl weist ja Parallelen auf.