aus R.F. Zelesnik: "Heimatbuch der Marktgemeinde Bernhardsthal", 1976

Der Klosterneuburger Traditionskodex berichtet zum Jahre 1171 folgendes: "...dominus Ortolfus de Waidehouen fundum Pernhardestal habuit in beneficio a domino Ekkeberto de Pernekke...". Zu deutsch: Herr Ortolf von Waidhofen (a. d. Thaya) hat in Bernhardsthal einen Besitz gehabt, welcher ein Lehen des Herrn Eckbert von Pernegg war. Weiter heißt es dann, daß Ortolf diesen Besitz für treue Dienste als Geschenk erhalten hat. Als er den Besitz, offenbar wegen der großen Entfernung von Waidhofen, veräußern wollte, gab er ihn über Bitten des Herrn Eckbert von Pernegg an Klosterneuburg im Tauschwege für einen Besitz in Emmersdorf und andere bewegliche Güter, die mehr als 90 Mark wert waren ("pro fundo Emarsdorf sito er pro aliis rebus mobilibus plus quam nonaginta marcas valentibus"). Dagegen erhob Ortolfs Stiefsohn Manegold bei Herzog Heinrich II. Jasomirgott Klage und behauptete, der Bernhardsthaler Besitz sei sein Eigentum. Eckbert von Pernegg erklärte vor dem herzoglichen Gericht, es handle sich um ererbtes Gut, das sein rechter Besitz war, bis er es Ortolf geschenkt habe. Der Aufforderung, seine Behauptung durch Zeugen zu beweisen, kam Eckbert von Pernegg unverzüglich nach, worauf daß Gericht den Streit zugunsten Ortolfs von Waidhofen entschied. In einer Schlußverhandlung am 31. März 1171 übergab der Herzog den Bernhardsthaler Besitz an das Stift Klosterneuburg.

Während diese Schlußverhandlung nur 19 Zeugen aufweist, sind es bei der vorangegangenen Gerichtsverhandlung deren über vierzig. Wir führen von letzteren die ersten und wichtigsten an: Konrad Graf von Peilstein und sein Bruder Siegfried, die Grafen von Schala, Heinrich und sein Bruder Sighard, Eckbert von Pernegg, Konrad von Anzbach, Kadold von Stronsdorf, Gebhard von Chalochesperge (Kollersberg bei Böheimkirchen), Albero von Kuenring usw.

Die ersten vier Zeugen, die Brüder von Peilstein und die Brüder von Schala, liefern uns mit ihrer Zeugenschaft nach Herbert Mitscha-Märheim den Beweis, daß dieser Bernhardsthaler Besitz von ihrem gemeinsamen Ahnherrn, dem Grafen Friedrich I. von Tengling (+1071) herstammte. Der Sohn Friedrichs I. von Tengling Sigehard X. war der Stammvater der Burghausen-Schala; der Bruder Sigehards X., namens Friedrich II. von Tengling, war der Vater Konrads I., des Stammvaters der Peilsteiner. Friedrich I. von Tengling selbst ist also der Stammvater beider Linien, und sein Vater war jener Sigehard VI., der 1044 auf dem Ungarnfeldzug bei Memfö gefallen ist. Die Mutter Friedrichs I. von Tengling aber war jene Pilihilt, deren Name im Ortsnamen Pillichsdorf weiterlebt. Der Übergang Bernhardsthals und Reinthals an die Pernegger wird mit einer Heirat der Tochter Konrads I. von Peilstein, Eufemia, mit Ulrich Il. von Pernegg erklärt. Von Ebenfeld nimmt man an, daß es durch die Heirat der Schwester der zwei genannten Schalagrafen, Helmburg, an die Burggrafen von Nürnberg gelangt ist.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß vor 1171 die Grafen von Pernegg die Feste und den Ort Bernhardsthal besessen haben und Klosterneuburg dort 1171 Grundbesitz erhalten hat. Was mit diesem Besitz Klosterneuburgs in der Folge geschehen ist, und wie lange ihn das Stift besessen hat, darüber gibt es keinerlei Nachrichten. Im ältesten Urbar Klosterneuburgs aus dem Jahre 1258 scheint der Besitz nicht mehr auf, und es ist auch sonst nichts darüber bekannt. Es kann nur vermutet werden, daß dieser Besitz das Ausstattungsgut (Pfründe) für die Gründung der Pfarre Bernhardsthal gebildet haben könnte. Klosterneuburg hatte übrigens im 12. Jh. auch in Hausbrunn, Hauskirchen, Herrnbaumgarten, Poysdorf und Falkenstein, also in der näheren Umgebung, Besitz.