Beiträge zur Topographie der abgekommenen Orte in Niederösterreich V. U. M. B.

Von Stephan Wick, 1893

Fußnoten: siehe Kopie (pdf) des Originals.

Nachdem Neill seine Forschungen auf diesem Gebiete in den Jahrgängen 1881, 1882 und 1883 veröffentlicht hatte, wandten so manche ihre Aufmerksamkeit diesem bis dahin brachliegenden Gebiete der Forschung zu und machten jene schriftlichen und mündlichen Denkmale bekannt, die früher unbeachtet geblieben. Auch dem Verfasser dieses war es nach längerer Beschäftigung mit jener Frage gelungen, einiges Neue und bisher noch nicht Veröffentlichtes beizutragen. Das Resultat dieser Nachforschungen möge hier mitgeteilt werden. 

Die Orte, über welche hier gehandelt werden soll, sind meist schon durch Neill bekannt, es treten nur zwei neue hinzu. Bei den bereits bekannten sollen jene Quellen allein herangezogen werden, welche bisher noch nicht publiciert sind, und soll die Lösung jener Fragen versucht werden, welche Neill offen gelassen hat; es beschränkt sich also dieser Aufsatz meist auf Nachträge zu Neill's sehr verdienstlichen Forschungen. Die Orte, von denen hier die Rede sein wird, sind sämmtliche im V. U. M. B., in der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach, also in dem nordöstlichen Winkel von Niederösterreich gelegen, der so viel durch seine Nachbarn, die Ungarn und Slaven, zu leiden hatte. Es sind folgende: Ebenfeld, Enzersbrunn, Geresdorf, Heumad, Heuthal, Motsiedel bei Laa, Peisdorf, Reibersdorf, Rothenlehm, Rothensee, Schirnersdorf, Schönstrass, Stranzendorf bei Mailberg, Valiba und Wieden bei Jedenspeugen. Wenn wir das Gebiet, auf welchem die aufgezählten Orte bestanden, in Betracht ziehen, so sehen wir, dass dasselbe in seinem grössten Teile fruchtbares Hügelland ist, auf dem die Rebe sehr gut gedeiht, — haben ja doch gewisse Sorten auch ausserhalb dieses Gebietes einen sehr guten Ruf, wie der Falkensteiner, im Mittelalter manche Rieden von Herrn-Baumgarten, Retz mit seiner Umgebung, Poisdorf zumeist die frisch angelegten Weingärten, welche mit den Traminer und Ruhlander Reben — so werden die letzteren von den Bewohnern genannt — bepflanzt sind. Der östliche, von der Thaja und March begrenzte Teil ist ausgesprochene Ebene, die wegen ihrer Fruchtbarkeit und glücklichen Lage früher zu Weizenund Getreidebau benutzt wurde; jetzt dehnen sich wegen der veränderten Preisverhältnisse und der bestehenden grossen Zuckerfabriken — Hohenau, Dürnkrut und in dem hart an der Grenze liegenden Lundenburg — auf diesen Fluren Zuckerrübenfelder aus; die Rübe, welche hier gewonnen wird, zählt zu den besten, welche in Österreich produciert wird. Neben dem Weinund Ackerbau schenken die Bewohner dieses Teiles von Niederösterreich auch der Pferdeund Rindviehzucht ihre Aufmerksamkeit Wenn wir die socialen Verhältnisse der Bewohner dieses fruchtbaren Gebietes ins Auge fassen, so können wir sagen, dass dieselben so ziemlich günstige sind; der Grund hiefür liegt nicht allein in der guten Bodenbeschaffenheit, sondern auch in dem Charakter seiner Bewohner; dieselben sind ihrer Nation nach deutsch und gehört ihr Dialect dem bayrisch-österreichischen an, daneben giebt es wenige Slaven, welche sich aber selbst germanisieren; slavische Orte sind Prerau, Bischofwarth bei Feldsberg, Oberund Unter-Themenau bei Lundenburg hart an der mährischen Grenze; Rabensburg, Ringelsdorf und Walthersdorf an der March haben gemischte Bevölkerung; vereinzelte Judenfamilien kommen in den meisten Orten vor, die grösste Anzahl derselben hat Hohenau aufzuweisen. Wenn wir in dem Charakter der Bewohner einen Grund für die günstigen materiellen Verhältnisse derselben sehen, so liegt dies darin, weil dieselben fleissig, sparsam, überlegend und dabei von einem gewissen Stolze erfüllt sind, der sich darin äussert, dass der Sohn das von seinem Vater ererbte Haus mit dem dazugehörigen Boden zu halten und zu vergrössern bestrebt ist. Nach dieser Einleitung will ich zur Besprechung der einzelnen Orte übergehen.   

Ebenfeld

Sowol die Topographie von Niederösterreich als auch Neill fuhren unter den Fluren Bernhardsthals ein »Ebenfeld« an. Beide Angaben sind unrichtig, denn weder das Grundbuch von Bernhardsthal noch die Gemeindemappe, die ich beide zu diesem Behufe eingesehen habe, kennen diesen Flurnamen; auch die mündliche Überlieferung, welche doch so gerne an das Alte, längst Verschwundene anknüpft, weiss nichts von einem Ebenfelde zu erzählen. Auf Grund der historischen Nachrichten — sie sind nicht zahlreich — , müssen wir die Existenz einer Ansiedlung dieses Namens annemen, wir müssen ferner annemen, dass dieselbe sich in der Nähe des heute noch existierenden Ortes Bernhardsthal befunden habe, aber ganz unmöglich ist es, an der Hand der Quellen den Platz zu bestimmen, auf welchem Ebenfeld gestanden. In Bernhardsthal ist folgende Tradition gang und gäbe. An dem Orte, den heute ein periodischer Teich, welchen der Damm der k. k. pr. Ferdinands-Nordbahn durchquert, einnimmt, stand ehemals ein Ort — Name wird keiner genannt — ; auf der Anhöhe, welche den Teich gegen Süden abschliesst, stand ehedem eine Kirche, die heute sogenannte »öde Kirche«, beide giengen in einer unbestimmbaren Zeit zugrunde, und zwar versanken Ort und Kirche. Dies die Überlieferung im Munde der Einwohner. Auf Grund derselben führte ich meine Untersuchung aus und kam dabei zu folgendem Resultate. Von der in der Sage überlieferten Kirche konnte ich aber auch nicht die geringste Spur entdecken; anders war es mit der Sage von dem untergegangenen Orte. Als man wegen der Zuckerrübencultur genötigt war, den Ackerboden tief aufzuwühlen, so stiess man dabei auf irdene Gefässe, welche Münzen, verbranntes Korn — vielleicht war es Spelt — und Gerste enthielten, doch war es mir nicht gelungen, auch nur einer Münze oder einiger Bruchteile der ausgeackerten Gefässe habhaft zu werden, denn dieselben waren spurlos verschwunden; aber eines erfuhr ich dabei, dass der verstorbene hochwürdige Herr Pfarrer Georg Stöger, ein wahrer Freund der Geschichte seiner Heimat, im Besitze einiger kleinerer Münzen gewesen. Er selbst erzählte mir auf den Spaziergängen von diesen Münzfunden, doch stand ich damals noch in zu jungem Alter, um mich mit diesen Fragen eingehend zu beschäftigen.

Eine andere Thatsache habe ich selbst aufgehellt: am Nordrande dieses Teiches, welcher derzeit mit Wasser angefüllt ist, befindet sich eine kreisrunde Stelle (an welcher zur Anbauzeit ausser saurem Grase keine Feldfrucht gedeiht) von etwa 3 Meter Durchmesser, die sich bei näherer Untersuchung als ein Überrest von einer Cisterne oder Brunnen zu erkennen giebt; das Materiale, aus welchem dieser Brunnen gebaut war, ist grobkörniger Sandstein, wie derselbe zu Hauskirchen gebrochen wird. Geht man den Nordrand des Teiches entlang gegen Osten, so betritt man eine Stelle, welche wegen des hohlen Klanges der Schritte einen Keller oder Erdstall vermuten lässt. Im Laufe des vorigen Frühjahres ackerte der Bernhardsthaler Wirtschaftsbesitzer Karl Weilinger auf seinem Felde — dem sogenannten Sandlehen, es stösst gegen Süden an den Teich — Skeletteile eines Menschen, ein kleines Gefäss und eine Sandsteinplatte von der Grösse eines Quadratfusses aus; es sind dies die untrüglichen Spuren eines Grabes. Leider konnte ich nur einige Fragmente des Skelettes erhalten, während das beigegebene Gefäss von seinen Kindern zerschlagen und verstreut wurde. Durch diese Thatsachen gewinnt also die Sage eine historische Grundlage, aber es ist noch sehr zweifelhaft, ob auf diesem Platze Ebenfeld gestanden hat. Wenn nun auch ein Raum gewonnen wird, der die zum Leben nötigen Naturproducte lieferte, so können wir die Vermutung aufstellen, dass Ebenfeld wirklich dort bestanden hat. Die Raumverhältnisse sind folgende. Der Burgfriede von Bernhardsthal umfasst circa 6000 Joch Acker und Wiesenboden, an diesen schliefst sich im Osten und Nordosten der Wald an, der sich bis an die Thaja ausdehnt; ein grosser Teil dieses Waldes wurde erst nach der ersten Teilung der Dominicalgründe angelegt, ist also noch jüngeren Datums; bei dieser Teilung fielen der Gemeinde die Heide und Gemeindeäcker zu; das Areal, welches hier in Betracht kommt, umfasst etwa 2000 Joch, was immerhin für eine Ansiedlung genug wäre, ja wir können annemen, dass dieselbe sogar eine bedeutende gewesen sein kann. Die Sage dürfte auch darin recht haben, wenn sie behauptet, der Ort sei untergegangen, denn sowol das Grundwasser als auch die Fluten der Thaja sind imstande, einem Orte den Fortbestand zu verleiden. Das Dorf war nicht erst 1423 öde, sondern schon 1411; wann dies eigentlich geschah, lässt sich nicht bestimmen.

Die Begrenzung würde sich dann folgendermassen herstellen lassen: im Osten die Thaja, im Norden die Thaja und das Gebiet, welches heute zu Unterthemnau gehört, im Westen Bernhardsthal, im Süden Geresdorf. Die historischen Nachrichten, welche Ebenfeld betreffen, sind dem älteren Lehenbuche Albrechts V. entnommen; darin erscheinen Lassla Hering, sein Vetter Hans Hering und Symon Dechser als Lehensträger der öden Dorfstatt Ebenfeld; dieselbe wurde später an die Rukhendorfer verkauft; und blieb in deren Besitz, bis dieselbe sammt anderen Gütern in der hiesigen Gegend in die Hände der Liechtensteine kam.

Enzersbrunn

Hat uns bei Ebenfeld die Tradition auf die richtige Spur geleitet, so verlässt sie uns bei Enzersbrunn vollständig; dafür fliessen aber die Quellen nicht so spärlich, die uns den Weg angeben, wo Enzersbrunn zu suchen sei. Vertrauen wir ihrer Führung, so erfahren wir zunächst, dass es eine sehr alte Ansiedlung ist; ihre Anfänge reichen in die Babenbergerzeit hinein. Neill hat bereits die grösste Zahl der Nachrichten zusammengestellt, doch sind ihm einige Belege entgangen und unbekannt geblieben. Ulrich von St. Egidius zu Passau legte im Jahre 1255 einen Katalog der Einkünfte des Passauer Bistums im Auftrage seines Herrn, des Otto von Lonsdorf, Bischofs von Passau (1254 — 1265), an und sagt: Item de decima annone in Encheinsprunn dantur pro mediocri anno XX metretae siliginis HI. metretae tritici et XX metretae avenae et XXX. denarii; …item decima vini in Encheinsprunn II. ornas vini. Enzersbrunn ist also zum Teile passauisch und sind seine Bewohner Ackerund Weinbauer, zum Teile gehörte es durch die fromme Stiftung des Johann Merschwang dem Kloster Heiligenkreuz, zum grössten Teile aber den Herzogen, durch welche es an die Liechtensteine kam, wie uns die zu Wien am 28. September 1358 ausgefertigte Urkunde Herzog Rudolfs IV. klar beweist. Ausser diesen und den von Neill angeführten Besitzern sind zu Enzersbrunn die Straiffinge vom Rotenstain, die Messenpekche und die Matsewer begütert; diese werden uns in den bisher nicht veröffentlichten Lehenbüchern der Herzoge Albrecht III. und Albrecht IV genannt Albrecht HI. verlieh Pilgrim dem Straiffing vom Rotenstain eine Gülte von VI Pfund »Pilgrim der Straiffing vom Rotenstain hat ze lehen item VI pfunt gelts ze Liechtenwart ze Entzesprunn und ze Hadmarn«. Treüsel der Straiffinger wird von demselben Herzoge mit einer Gülte in der Höhe von 13 Schilling belehnt: »item Treüsel der Straiffinger hat ze lehen dritthalb lehen ze Enczesveld item ze Höflein dritthalb phunt gelts mynder dreissig phenning und ze Enzesprünn dreizehen ß. gelts.« Hans Messenpekch und seine Hausfrau Anna empfangen eine Gülte von VI Pfund und 16 Pfen. »Hans Messenpekch und Anna sein hausfrow habent zu lehen sechs phunt und sechzehen phenning gelts gelegen ze Hevmad ze Liechtenwart und ze Entzesprunn.« Halten wir diese beiden Belehnungen, nämlich die Pilgrims des Straiffing und Hansens Messenpekch, einander gegenüber, so ergiebt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass Anna, die Gemalin Messenpekchs, eine Tochter des Straiffinger war, und zwar die einzige, weil sie seinen ganzen Besitz erhielt, und ferner dass Hadmarn aus Heumad verschrieben ist; wenn die Gülte Messenpekchs um 16 Pfen. grösser ist, so liegt dies wahrscheinlich in einer Preissteigerung des Grundes. »Chunrad Maczer — offenbar aus Matsewer verschrieben — empfieng ein halbes Lehen zu Entschesprunn, das ihm einen Ertrag von 3 Schillingen abwarf: »Chunrad Maczer von Reybesdorff hat ze lehen … drey Schilling gelts auf ainem halben lehen gelegen zu Entschesbrunn ze veld und ze dorff.« H. Albrecht IV. führt auch einige Belehnungen aus, und zwar an Symon Dechsein von Erdpurg: »Symon Dechsein von Erdpurg hat ze lehen XII den gelts ze Pottendorff auf behaustem gut und auf drein ganczen überlentischen lehen ze Entschesprunn X ß. den. gelts mit sampt dem zehente auf denselben lehen daselbs III ß. den. gelts.«Anna die Messenpekchinn erhielt nach dem Tode ihres Mannes die innegehabten Besitzungen als Lehenträgerin für ihren noch unmündigen Sohn Hans, auf welchen dieselben nebst Hinnperg nach ihrem Tode übergehen. Cunrat Matsewer wird von Albrecht IV. im Besitze jener Lehen bestätigt, die er zur Zeit Albrecht III. innegehabt hatte; die Namensform Enczlesprunn, welche hier das einzigemal gebraucht wird, ist auffallend, doch läset sie keinen Zweifel an der Identität der Begriffe aufkommen. Was das Gebiet betrifft, welches zu diesem abgekommenen Orte gehörte, so lässt sich dasselbe etwa so begrenzen: im Osten und Südosten Bernhardsthal, im Süden und Südwesten Schönstrass, im Westen Reinthal, im Norden das Gebiet, welches heute zu Unter-Themenau gehört, und im Nordosten Ebenfeld. Im vorjährigen Sommer beschäftigte ich mich mit dem Aufsuchen prähistorischer Denkmale in dem nordöstlichen an Ungarn und Mähren grenzenden Teile Niederösterreichs; mein besonderes Augenmerk wandte ich den Erdställen zu, deren ich eine ziemliche Anzahl durchkroch, doch war alle Mühe vergebens, denn es gelang mir nicht ein einzigesmal, etwas aufzufinden, was über das Alter und den Zweck dieser künstlichen Erdbauten Aufschluss geben konnte. Bei diesen Nachforschungen brachte ich in Erfahrung, dass an einer Stelle — ich werde ihre Lage sofort genau bestimmen — Teile von Menschen und Thierskeletten gefunden wurden; daneben wurden auch Bruchteile von Gefässen und Lagerstätten von Asche aufgedeckt. Ich glaubte ursprünglich, es mit Brandgräbern zu thun zu haben, allein eine eingehendere Untersuchung ergab, dass es Wohngruben waren; in der Nähe dieser Wohngruben, welche sich, wie mich der Erdbohrer belehrte, weit ins Culturland hineinzogen, wurden bis jetzt im ganzen 10 Skelette von Erwachsenen und Kindern ans Tageslicht gebracht. Diese Thatsache und die Berichte der historischen Quellen weckten in mir die Überzeugung, dass ich damit den Standplatz des abgekommenen Ortes Enzersbrunn entdeckt habe. Derselbe lag also an der Stelle, wo heute die sogenannten Loslinge, Weingärten und Unfrieden zusammenstossen; dies Territorium beginnt an der Strasse, die von Bernhardsthal über Reinthal nach Feldsberg führt, und gehört ganz zu Bernhardsthal. Gerade an der Stelle, wo die meisten Skelette gefunden wurden, erhebt sich eine Statue des heil. Johann von Nepomuk; von diesem Platze gegen Ostnordost ziehen sich die Wohngruben hin, ein sicheres Zeichen, dass der Ort hier gestanden habe.

Wenn wir die Umgebung dieses Platzes beschreiben wollen, so können wir sagen, dass dieselbe eine Ebene ist, die sich nach allen Richtungen hin ausdehnt; von hier aus sieht man die kleinen Karpathen im Osten, im Norden die höchsten Teile des Marsgebirges, im Nordwesten die Polaner Berge, im Westen das dem Manhartsberge vorgelagerte Hügelland, im Süden die Ausläufer der Alpen, und wenn die Luft sehr rein ist, den Schneeberg. In diese Ebene ist eine Thalmulde eingebettet, welche sich von West nach Ost zieht; dieselbe wird von einem nicht sehr wasserreichen Bache durchflössen, der im Munde der Anwohner Hametbach heisst; sowol die Generalstabskarte als auch die Administrativkarte nennen ihn irrigerweise Hammelbach, von ihm wird noch einmal bei Heumad die Rede sein. Wann Enzersbrunn zerstört wurde, lässt sich bei dem Mangel an Nachrichten nicht bestimmen, die mündliche Tradition kennt den Ort nicht, wiewol sie von seinen Nachbarorten Schönstrass, Rothenlehm und Heumad zu erzählen weiss. Ausser der bereits bemerkten Namensform Enczlesprunn kommen noch folgende Bezeichnungen vor: 1255 Encheinsprunn, in der Urkunde vom Jahre 1260 Engelschalchesprunn,  in der von Rudolf IV. ausgestellten Urkunde vom Jahre 1358 Entzeinsprunn, in den Lehensbüchern Albrechts HI. und Albrechts IV. die Formen Entschesprunn, Enzesprunn und Enzesprünn.

Geresdorf an der Thaja

Neill bringt in seinem Aufsatze eine ziemliche Anzahl von historischen Nachrichten und zieht hieraus den richtigen Schluss, dass Geresdorf zwischen Bernhardsthal und Rabensburg gestanden haben müsse; falsch ist aber die Behauptung, dass der Ort eine Beute der ungarischen Truppen wurde, welche Matthias Corvinus in den Kampf gegen Kaiser Friedrich III. führte, denn Maximilian II. belehnte noch am 10. Mai 1565 Hartmann von Liechtenstein mit Geresdorf; es hatte also die Kämpfe zwischen Matthias Corvinus und dem Kaiser Friedrich III. überdauert und dürfte erst zur Zeit des Schwedeneinfalles oder vielleicht gar erst durch die Kurutzen zerstört worden sein; letzteres scheint mir das wahrscheinlichste, da in dem Verzeichnisse der von den Schweden zerstörten Ortschaften von Geresdorf keine Rede ist und gerade in dieser Gegend die Kurutzen am ärgsten hausten; es konnte trotz der Nähe des Hauptquartiers, das sich eine Zeit lang zu Rabensburg befand, wegen der unzureichenden Mittel dem Wüten der Kurutzen kein Einhalt gethan werden. Merkwürdig dabei ist nur das eine, dass sich in Rabensburg keine irgendwie geartete Nachricht von der Existenz dieses Nachbarortes erhalten hat. Ich bringe dies mit dem Wechsel der Bevölkerung in Zusammenhang, denn Rabensburg gehört unter jene Orte Niederösterreichs, welche zur Zeit Maria Theresias slavische Besiedler bekam, und zwar gehörten dieselben nicht den Nord- sondern den Südslaven, den Serbo-Kroaten an; diese behielten ihre Nationaltracht bis in die Siebzigerjahre bei, von da ab wich dieselbe der jetzigen deutschen Tracht, die jetzt so ziemlich allgemein getragen wird. Ausser den von Neill benützten Quellen kommen noch die Lehensbücher Albrechts UI. und Albrechts IV., ferner das um 1400 verfasste Lehensbuch der Meissauer und schliesslich der am 3. Februar 1494 ausgestellte Lehensbrief Maximilians I., welcher in dem Lehensbriefe des Erzherzogs Ferdinand, zu Wien am 28. Jänner 1525 ausgestellt, und in dem bereits erwähnten Lehensbriefe Maximilians IL inseriert ist, in Betracht.

Albrecht III. belehnt den Mathes Vogel mit einer Gülte im Betrage von 51/2 Pfund: »item Mathes der Vogel hat ze lehen …. item funfthalb phunt gelts gelegen in Geresorffer veld.«

Herzog Albrecht IV. verlieh im Jahre 1398 den Liechtensteinen: »item das gericht ze Gerestorff mit stok und mit galgen und die waid daselbs und zwai drittail zehents gelegen auf dem Weingarten an dem alten Garrental.« Das Meissauische Lehensbuch enthält folgende Belehnungen: »item Fras und Utendorffer haben t ze lehen I tal. gelts daz vor gewesen ist des Trewsel und leit ze Gerestorf auf zwain halben lehen;« ferner: »Hanns Schönnstrazzer hat ze lehen den zehent auf zehen lehen ze Geresdörf bei Rabenspurk gelegen.« Diese Gülte scheint Hans Schönstrasser von Nikolaus Ritzendorfler überkommen zu haben, denn der Wortlaut der Notizen ist mit Ausname des darin vorkommenden Namens ganz gleich; in welcher Beziehung er zu demselben stand, ist nicht ersichtlich. Cholman Schönstrazzer, welcher nach demselben Lehensbuche sein Gut seinem Schwager Petrein dem Popphinger vermacht hatte, scheint zu Hansen Schönstrazzer in keiner verwandtschaftlichen Beziehung zu stehen, es müsste denn sein, dass der Grad der Verwandtschaft ein so geringer war, dass Hans keine Erbansprüche erheben konnte. Das Gebiet, welches zu Geresdorf gehörte, lässt sich folgendermassen umgrenzen: Im Norden stiess es an Ebenfelder und Bernhardsthaler Gebiet, im Westen an Rothenlehmer, im Süden an Rabensburger Gebiet, im Osten bildete die Thaja mit ihrem Hauptarme die Grenze. Der Platz, an welchem der Ort Geresdorf gestanden, ist die sogenannte Thiergartenbreite, welche sich östlich von der Strasse, die Rabensburg mit Bernhardsthal und Lundenburg verbindet, gegen den Mühlgraben einen Seitenarm der Thaja ausdehnt. Diese Thiergartenbreite, so genannt, weil sich daselbst bis in die Mitte unseres Jahrhunderts ein Thiergarten, in welchem Hochwild, Damhirsche und Rehe gehegt wurden, befand, liegt so hoch, dass eine Zerstörung des Ortes Geresdorf durch das Hochwasser der Thaja, wie sie Neill annimmt, vollkommen ausgeschlossen erscheint. Dass Geresdorf hier gestanden habe, beweisen mehrere Thatsachen. Als in den Achtzigerjahren auf diesem Felde eine grosse Scheune gebaut wurde, stiess man bei den Erdaushebungen für ihre Grundfesten auf mehrere Gefässe, eiserne und hölzerne Bestandteile von Hausgeräthen; dasselbe war bei der Anlage der Alleen, die das Feld durchqueren, ebenso der Fall. Am Ostrande dieses Grundcomplexes, der ziemlich steil gegen den Mühlgraben abfeilt, befindet sich ein Hausberg, dessen dreifache Umwallung noch so ziemlich erhalten ist; derselbe befindet sich in dem Hofraume des daneben stehenden Forsthauses. Zwischen dem Mühlgraben und dem Hauptarme der Thaja zieht sich ein gewaltiger Damm, im Volksmunde Teufelsdamm genannt, hin, der schon mehrfach durchbrochen ist; seiner Anlage nach war es ein Schutzdamm, welcher die Wiesen und Fluren vor dem Hochwasser zu schützen hatte; wer ihn angelegt, lässt sich nicht beweisen, wol aber vermuten; es dürften die Bewohner des nunmehr abgekommenen Ortes Geresdorf seine Erbauer gewesen sein. In dem Lehensbuche Albrechts IV. und in den späteren Belehnungsurkunden vom Jahre 1494 an wird ein Weingarten an dem »alten Garrental« oder, wie es im Lehensbriefe Maximilians I. und seiner Nachfolger heisst, »alten Garunthall«, erwähnt; wo ist nun dieses Thal zu suchen? Das Gemerke des Bernhardsthaler und Rabensburger Burgfriedens geht einer im Osten ziemlich tiefen Thalmulde entlang, die sich gegen Westen in der Ebene verläuft, dies ist das »alte Garunthal«, auf dessen dem Süden zugewandten Lehne sich der Weingarten befand, welcher den Liechtensteinen zinste.

Heumad

Trotz der geringen Entfernung, welche Heumad von Bernhardsthal trennte, war ich nicht in der Lage, den Platz, auf welchem dieser Ort gebaut war, festzustellen, da weder von den Einwohnern der Orte, die nun im Besitze des gegen Osten und Südosten gelegenen Gebietes dieser abgekommenen Ansiedlung sind, irgend eine stichhältige Angabe gemacht werden konnte, noch die Quellen sich genauer darüber aussprachen.

Die einzige Stelle, welche uns darüber Aufschluss giebt, ist Cod. 39, S. 88; sie lautet: »Hans Potenprunner hat ze leben … item ze Hewmad ainen hof, der da dient XX metzen waicz und j tal. den. in dem gut als sich ze Reiberstorff anhebt, die VI ß. den. gelts in dem selben gut das herab geschriben ist uncz an das gut gen Hewmad da hat ainer ainen drittail in dem gut mit im.« Diese Notiz besagt, dass Reibersdorf an Henmad angrenzte; Reibersdorf gehörte aber in dieser Zeit zur Pfarre Böhmischkruth. Heumad lag aber in östlicher Richtung von Reibersdorf, also näher an Alt-Lichtenwart, nach der Ausdehnung des heute noch gebräuchlichen Flurnamens zu urteilen, an der Stelle, wo sich Hametbach mit einem Nebenbächlein vereinigt, zwischen Alt-Lichtenwart, Böhmischkruth, Herren-Baumgarten, Katzelsdorf, Reinthal und Bernhardsthal, wenn wir aber die alten abgekommenen Orte einführen, so kommt Reibersdorf statt Böhmischkruth und Herren-Baumgarten im Westen, statt Bernhardsthal und Reinthal Schönstrass im Osten in Betracht; die Lage des letztgenannten Ortes werde ich bei der Besprechung desselben genau fixieren; natürlich meine ich den Burgfrieden der genannten Orte.

Heumad lebt heute noch in der Erinnerung der Bewohner dieser Gegend fort, und zwar ist der Name desselben in einem Flurnamen und in der Benennung eines kleinen Bächleins, das seinen Ursprung im Gebiete jenes Ortes nimmt und sich nach einem kurzen Dach Osten gerichteten Lauf, der zweimal zu Teichen gestaut wird, bei Bernhardsthal in die Thaja ergiesst — wie bereits bei Enzersbrunn erwähnt wurde, führt dieser Bach sowol auf der Generalstabskarte als auch auf der Administrativkarte irrigerweise den Namen »Hamelbach« — , erhalten. Die Erinnerung der Nachbarn wurde im Jahre 1866 durch die Frage der preussischen Vorposten, wo denn Heumad — sie nannten diese Ansiedlung Stadt — liege, aufgefrischt; dasselbe war nach ihren Angaben auf der Karte als Stadt verzeichnet.
Die Nachrichten, welche einesteils Neill unbekannt waren, anderenteils ihm entgangen sind, mögen hier besprochen werden. H. Heinrich IL verlieh am 11. October 1161 dem neugegründeten Schottenkloster verschiedene Gülten: »in Hawmat quinque mansus«. Das in der k. k. Hofbibliothek aufbewahrte Register der Einkünfte des Schottenklosters vom Jahre 1322 giebt die Höhe der Leistungen zu Heumad mit folgenden Worten an: »item in Heumad sunt quinque predia quorum quodlibet servit in die beati Egidii XII metretas tritici, item quodlibet servit in die penthecostis VI. caseos, item in festo nativitatis tres caseos; item ibidem una area, que servit in die purificationis XXX denarios; item de Pandio sunt socii illorum de Ertpurch.« Nach diesen Angaben war der Besitz des Klosters in diesem Zeiträume um eine area vergrössert worden. Herzog AIbrecht III. belehnte eine unbekannte Person mit einer Gülte von fl. die zu Heumad gelegen war; von demselben Herzoge empfieng Michel Pfefferwein »achtzehen Schilling gelts gelegen ze Hemad« als Lehen. Herzog Albrecht IV. leiht den Liechtensteinern von Nikolspurg, und zwar sind »Mates Hans Heinrich und Härtel die Lehenswerber, XVIH ß. und III den. gelts gelegen ze Hewmad .... item ze Hewmad VI ß. den. gelts, VI dienst Kes und VI diensthuner.«

Die Belehnung der Messenpekch, Hansens des älteren, seiner Gemalin Anna und Hansens des jüngeren, deren Sohnes, wurde schon bei Enzersbrunn erwähnt. Die Notiz über die Belehnung Hansen des Potenprunner habe ich eingangs bei Besprechung der Localität des Ortes Heumad herangezogen.

Heuthal

Neill hat in seinem Aufsatze diesen Ort bereits behandelt, es erübrigt daher nur diejenigen Berichte nachzutragen, welche bisher unbekannt oder unbenutzt sind. Diese Nachrichten sind grösstenteils den Lehensbüchern der Herzoge Albrecht III. und Albrecht IV. entnommen; daneben sollen die Notizen aus den Rationarien der österreichischen Herzoge und jener Lehensbrief Albrechts IV. erwähnt werden, mit welchem er dem Nikolaus Schewrbekch das Dorf Heuthal lieh. Während das ältere Rationarium den Besitz und die Höhe der Leistungen zu Heuthal mit den Worten »in Heutal XIL beneficia quodlibet solvit unum modium tritici et unum modium avene et porcum« angiebt, setzt das jüngere noch »alia beneficia que sunt ibi pertinent ad civitatem in La« hinzu; diesen Besitz hielt die Stadt Laa auch in der Folge fest und liess sich, wie die Lehensbücher beweisen, damit belehnen. Unter Albrecht III. kommen mehrere Belehnungen zu Heuthal vor, so: »item Andre der Ramler von Laa .... item zwai phunt gelts ze Hewtal« ; derselbe suchte später abermals um die Belehnung mit jener Gülte an, weshalb er diese Belehnung von demselben Herzoge wiederholen liess, ist nicht ersichtlich; er behielt das Lehen auch in der Folge. Nikolaus Schütz empfangt drei halbe Lehen zu Heuthal »item Niclas der Schücz drew halbe lehen gelegen ze Häwtal.« Das Bergrecht war im Besitze des Johann Fuss von Paasdorf; »item Hans der Fuz von Pestorf pergrecht und zehent an dem ganczen perg ze Hetal.« Martin Fallbacher erhielt die bedeutende Gülte von XXII fl.»item Mert der Valbacher hat ze lehen emphangen .... item … ze Häwtal XXII phunt gelts.« Thomas Neithart liess sich mit anderthalb Lehen belehnen: »item Thoman Neythart hat ze lehen anderthal lehen gelegen zu Hetal davon man dient sechs und dreissig meczen habern und sechs und dreissig meczen waicz und fünfthalben Schilling phenning.« Aus dem Lehensbuche Herzog Albrechts IV. haben wir nur eine Belehnung zu verzeichnen; dieselbe wird an dem bereits genannten Martin Fallbacher vollzogen: »Mert der Valbacher hat ze lehen zu rechten manlehen das dorff zu Häwtal mitsambt dem gericht daselbs mit allen rechten und zugehörungen als das weilent die Kirichsteter von unserm lieben herren und vater herczog Albreht seligen in phands weis habent ynngehebt.« Das im Jahre 1314 von Friedrich III. an die Grafen von Schaumberg verpfändete Heuthal wurde von einem seiner Nachfolger eingelöst; wer es gewesen, wissen wir nicht. Albrecht III. verpfändete Heuthal in einer unbestimmbaren Zeit an die Kirchstetter, nach deren Ableben der Ort in die Hände unseres Falbachers kam, welcher ihn 1404 an Nikolaus Scheuerbeck vermachte; dieser wurde am 11. März 1412 damit belehnt. In welchen Beziehungen Nikolaus Scheuerbeck zum Testator Martin Fallbacher stand, können wir nicht bestimmen, er dürfte entweder Schwager oder Schwiegersohn desselben gewesen sein; es mussten aber vor der Testierung noch andere Verhandlungen durchgeführt worden sein, welche wir nicht kennen, denn sonst hätte dieser Besitz, der ausdrücklich als Manlehen bezeichnet wird, nicht an die weibliche Linie vererbt werden können. Scheuerbeck behielt aber den Besitz nicht lange, sondern verkaufte denselben an Nikolaus Trachter, welcher Heuthal im Jahre 1423 an seine Kinder Wolfgang und Agnes vererbte. Neill benützte zwar die im VII. B. des oberösterreichischen Urkundenbuches enthaltenen Notizen über Heuthal, führte aber jene Urkunde nicht an, in welcher Rudolf IV. das Lehensband, wodurch der Besitzer der in Rede stehenden zwei Lehen an den Herzog geknüpft wurde, löst, nachdem ihm von demselben ein freier Hof zu Payrhof aufgesandt war; nur so war es dem damaligen Inhaber der Lehen zu Heuthal, Burkhart Chneuzzer, möglich, diese Lehen als fromme Stiftung dem Kloster Waldhausen zuzuwenden. Über den Ort, an welchem Heuthal gestanden, und dessen Umgrenzung hat Neill bereits gehandelt, ebenso hat er den Zeitraum, in welchem die mutmassliche Zerstörung des Ortes stattgefunden, angegeben.

Motsiedel bei Laa

Wenn wir den Umfang jener zu Laa gehörigen Flur ins Auge fassen und daraus auf die Grösse des Ortes, dessen Namen sie führt, schliessen, so kommen wir zur Ansicht, dass wir es hier nur mit einem ganz unbedeutenden Orte — die Bezeichnung Häuserrotte wäre gewiss passender — zu thun haben. Neill führt Motsiedel unter den abgekommenen Orten an, nennt aber jenen Irnfridus de Heimbach von Himberg und übersah noch zwei Stellen des jüngeren Rationars, wo von Motsiedel gesprochen wird. Das ältere Rationarium sagt: »in Mutsidel curia villicalis colitur pro tercia parte, villicus dabit VI. anseres et XII. publos;« das jüngere Rationarium enthält drei diesbezügliche Angaben: »in Motsidel unum beneficium solvit L denar. et modium tritici et modium avene et metretam papaveris et porcum vel XXX. den. et XV. caseos et unum schoet et II. pullos et X. den. ad weinfuer;« fol. 22 ist gleichlautend mit der citierten Stelle des älteren Rationariums. Die Grösse des Besitzes, welchen Irnfrid von Heimbach innehatte, kennen wir nicht, da sich in dem Berichte an dieser Stelle eine Lücke für die Eintragung befindet: »in Motsidel ….. quodlibet solvit V. solidos et ceperunt vacare de domino Irnfrido de Heimbach scilicet modo habet ea dominus de Myssow.« Die curia villicalis, von der in beiden Rationarien gesprochen wird, erscheint in den Lehensbüchern der Herzoge Albrechts III. und Albrechts IV. wieder. Ich führe den Wortlaut der Berichte selbst an: »Hoyer und Albrecht gebrüder die Grasser habent ze lehen ainen hof, der gelegen ist zu Motsidel, item zway phunt geltz daz gelegen ist ze Motsidel und ze Racz ....« ferner: »Hoyer der Grasser hat ze lehen ainen hof ze Motsidel.«

Beziehen sich nun die vorstehenden Stellen wirklich auf Motsiedel bei Laa und nicht auf Motsiedel bei Markgraf Neusiedel? Ich sage ja, denn dies geht aus der Abgabe für »weinfuer« und aus der Zusammenziehung Motsiedels mit Retz hervor, denn es ist nicht wahrscheinlich, dass einstens bei Markgraf-Neusiedel Wein gebaut wurde, ebenso unwahrscheinlich ist es, dass eine Gülte auf zwei so weitentfernte Orte, wie dies bei Retz und Motsiedel in Umgebung von Markgraf-Neusiedel der Fall wäre, verteilt wurde.

Peystorf

Die Quellen berichten uns von diesem Orte weiter nichts, als dass er bei Mistelbach gelegen war und am Ende des XIV. Jahrhunderts bestanden habe. Es ist daher eine Zeitangabe, wann Peystorf gegründet und wann es zerstört wurde, ausgeschlossen; ebensowenig sind wir in der Lage, die Ursache seines Abbaues anzugeben. Bei der Bestimmung des Platzes, auf welchem Peystorf gestanden, geht es uns nicht besser; es ist aber die Möglichkeit vorhanden, auf Grund anderer derzeit unbekannter oder unzugänglicher Quellen diese Fragen einer befriedigenden Lösung zuzuführen. Im Lehensbuche Herzog Albrechts III. kommt der Name Peystorf zweimal vor, das erste Mal ohne nähere Ortsangabe, das zweite Mal wird Mistelbach als der nächstgelegene grössere Ort genannt »item Engelherr von Graz ein mül dacz Peystorff und zwen tail weinczehent daselbs …. item vier holden ze Peystorff;« ferner: »Paul Rappots sun von Weysberg sechs phunt gelte gelegen ze Peystorf auf behaustem gut bei Mistelbach.« Dieses Peystorf ist mit dem bei Neill angeführten Pystorf nicht identisch; eines wäre aber nicht unmöglich, dass wir unter Peystorf den Ort Paasdorf der auch nicht gerade weit von Mistelbach ist, zu verstehen hätten; aber wo wäre die hier genannte Mühle — offenbar durch Wasserkraft in Betrieb gehalten — gestanden?

Reibersdorf

Neill hat auch über diesen Ort gehandelt und dessen beiläufige Lage und Zeit des Abbaues, soweit es ihm möglich war, bestimmt. Ich werde mich daher nicht weiter über diese beiden Fragen ausbreiten und nur betreffs des Platzes einige Bemerkungen machen. Reibersdorf grenzte im Norden an Herrn-Baumgarten, im Nordosten an Heumad, im Osten an Alt-Lichtenwart, im Süden an Böhmisch-Kruth, dem es als nächstgelegenem Pfarrorte im XV. Jahrhundert eingepfarrt war; im XIII. Jahrhundert war es aber nach Gaubitsch eingepfarrt, damals bildete also Böhmisch-Kruth noch keinen Pfarrsprengel. Der Ort selbst lag an einem Nebenbache, welcher sich in den Hametbach ergiesst; an der Vereinigungsstelle beider Bäche lag, wie ich bei Heumad bemerkte, der Ort, dessen Namen der Bach heute führt.

Wenn wir die historischen Berichte, welche sich mit Reibersdorf befassen, in Betracht ziehen, so erfahren wir, dass Reibersdorf zu den ältesten Ansiedlungen nördlich von der Donau gehört und schon in früher Zeit der Babenberger gegründet wurde. Herzog Friedrich II. verleiht nämlich dem Passauer Bischof Rudiger ein Predium und Zehen t: »item Gawath, Chrutte, Rihwinstorf et quicquid habemus ibidem,« dies geschah im Jahre 1241. Etwas über ein Jahrzehnt später werden die Güter der Passauischen Bischöfe verzeichnet; in diesem Verzeichnisse tritt uns der Name Reibersdorf zweimal entgegen: »ista sunt feuda quae domini de Paumgarten habent ab ecclesia Pataviensi: item mediam villam in Reibenstorf sitam in eadem parrochia, Gawatsch« dann: »ista sunt feuda dabiferi de Veltsperch quae habet ab ecclesia Pataviensi .... mediavilla in Reibensdorf sita in parrochia Gawatsch, item decimam in Geltseins in parrochia Veltsperch sita.« Von Albrecht III. kennen wir nur eine einzige Belehnung, die Reibersdorf betrifft, und da wissen wir den Namen des Lehenwerbers nicht, weil er absichtlich verschwiegen wird. »Item ainer hatze lehen emphangen, der hat sich nicht genennet ... item ze Reibesdorff VIII. fl. gelts.« Das Meissauische Lehenbuch enthält mehrere Belehnungen zu Reibersdorf; von diesen ist jedoch nur eine einzige in dem publicierten Lehenbuche erwähnt, und zwar diejenige des Hanns Schretenperger des älteren, während die anderen nicht aufgezeichnet sind. Agnes Dauchinger erhält von ihrem Lehensherrn einen Hof zu Reibersdorf: »item Agnes die Dauchingerinn hat ze lehen ainn hoff gelegen ze Reibestorff.« Georg Aspekch wird mit einer zu Reibersdorf gelegenen Gülte im Betrage von 10 Schill. Pfenn. belehnt: »item Jeorg Akspekch hat ze lehen ... X. ß. gelegen auf behawsten gut gelegen ze Reibesdorff.« Schliesslich nennt uns das Lehenbuch einen Chunrat Mützseer, der ein ganzes Lehen empfängt; dieser dürfte wol mit dem bei Enzersbrunn genannten Conrad Matsewer identisch sein; denn eine Verschreibung dieses Namens kann insoferne leicht angenommen werden, da es sich nur um einen einzigen Buchstaben handelt, ferner wird er dort ausdrücklich »Chunrad Maczer von Reybesdorff« genannt. Der in Frage stehende Passus lautet: »item Chunrat Mützseer hat ze lehen ein gantz lehen ze veld und ze dörff gelegen ze Reibestorff.« Ich will noch jene Stellen aus dem Lehenbuch Albrecht IV. anführen, welche in Neills Abhandlung vermisst werden. Pernhart der Gravenwerder und Peter der Sprinczenstainer »habent ze lehen dritthalb phunt und XV. den. gelts ze Reybestorff« gelegen. 2. »Item Hans Bugwaich zu Reybestorff ein gantzen iahr dienst den er dient XV. Schill, den. gelts, item Hainreich Walich von ainem halben veldlehen VI. ß den.« 3. »Lesel (= Ladislaus) Hering hat ze lehen … item ain holcz und ein gericht dacz Reiberstorff item III. ß. kes, VI. tal. ays und LXX hüner gelts daselbs;« das »holcz« wird im späteren Lehenbuche »Prantleitten« genannt. 4. Hans Potenprunner »hat ze lehen …. item ze Reibestorff XV. ß. den. gelts daselbs item VI. ß. den. auf behausten holden daselbs.« Diesen haben wir schon bei Heumad kennen gelernt.

Rothenlehm

Auch über diesen Ort hat Neill gehandelt; ich beschränke mich daher auf Ergänzungen und Berichtigungen. Im Jahre 1380 wurde Hans von Pellendorff mit einer Gülte von 13 Schill, belehnt, im Jahre 1385 erhielt er dasselbe Lehen: »ich Hans von Pellendorff han ze lehen …. item ze Ratenlaim bey Pernestal dreiczehen Schilling gelts auf behaustem gut.« H. Albrecht IV. belehnte um 1396 Leupolt den Pellendorffer mit einer Gülte zu Rothenlehm: »Leupolt der Pellendorffer hat ze lehen …. dacz Rotenlaym V. ß. den. gelts.« Herzog Albrecht V. leiht Casparn dem Pellendorffer, dem Sohne Leupolts, die Güter seines Vaters: »Caspar der Pellendorffer hat …. nach weilent Leupolts seins vaters abgang ze lehen …. item dacz Ratenlaym funf ß. gelts und ist alles sein erb.« Neill sagt, dass Rothenlehm schon am Ende des XIV. Jahrhunderts verschollen sei, allein mit Unrecht, denn sowol im Lehenbuche Albrechts IV., das die Jahre bis 1396 umfasst, als auch im Lehenbuche seines Nachfolgers, das von 1411 bis 1418 reicht, erscheint der Name Rothenlehms, und zwar als noch bestehend. Rothenlehm dürfte, wenn wir das Jahr 1540, wo es bereits verödet war, als Endtermin, und die Belehnung des Caspar von Pellendorf als letzte Erwähnung seines Bestandes annemen, zur Zeit der Kriege um die Vormundschaft über Ladislaus Posthumus zerstört worden sein.

Neill setzt folgende Grenze für Rothenlehm fest: »Rothenlehm grenzte westlich an Altlichtenwart, nördlich an Reinthal und Bernhardsthal, östlich an Rabensburg, südlich an Hausbrunn.« Dies stimmt mit der Wirklichkeit insoferne nicht, als es im Norden nur an Bernhardsthaler Gebiet grenzt. Wenn wir die topographischen Verhältnisse zur Zeit des Bestandes ins Auge fassen, so gestaltet sich die Begrenzung folgendermassen: Rothenlehm grenzte im Süden an Hausbrunn, im Osten an Geresdorf, im Norden an Schönstrass, im Westen an Alt-Lichtenwart.

Rothensee

Rothensee ist bereits aus Neills Aufsatz bekannt, es erübrigt daher nur jene Nachrichten zu bringen, welche Neill nicht bekannt waren oder entgangen sind. Herzog Albrecht III. verlieh an Ulrich Schober einen Zehent von zehn Lehen: »Ulreich der Schober hat ze lehen ganczen zehent auf zehen lehen ze Rothense.« Im Beginne der 90er Jahre des XIV. Jahrhunderts erhielt Fridel Pertel von demselben Herzoge zwei Drittel des Zehents, den sein Schwiegervater Ulrich Schober innegehabt, während seinem Schwager Georg Schober nur ein Drittel desselben Zehents zugewiesen wird: »item Fridel Pertel hat ze lehen zwai drittall aus zehn ganczen lehen gelegen ze Ratensee und swas darzue gehört ze veld und ze dörf dagegen Jorgl der Schober mein swager den dritten tail hat.« In dem von Chmel publicierten Meissauischen Lehenbuch werden die Abgaben von Rothensee zweimal verzeichnet »item ze Rotensee VIII. talenta III. solidos VIII. denarios. Albrecht IV. verlieh dem Friedrich Partei dasselbe Lehen, welches dieser zur Zeit seines Vaters Albrecht III. innegehabt: »Fridreich Pertel hat ze lehen VII lehen an ein drittail ze Rotensee ze veld und ze dorff.«

Schirnersdorf

Albrecht III. belehnte einen Unbekannten mit einem Getreidezehent: »item ainer hat ze lehen …. item ze Schirnestorf ein getraydczehent«; einen zweiten Unbekannten mit einer Gülte von IX fl.»item ainer hat ze lehen …. ze Schirnasdorff IX. fl. geltes.« Martin Valbacher erhält ebenfalls eine Gülte: »item Mert der Valbacher hat ze lehen …. ze Schirnerstorf XX fl. gelte minder XXV. phen.« Im Jahre 1385 wird Jörig, der Sohn des Kraft Hawser mit 9 fl. belehnt. Sollte nicht sein Vater der Unbekannte gewesen sein, welcher die Belehnung mit IX. fl. erhielt? »item Jörig der Hawser hat ze lehen IX. pfunt gelts gelegen auf urbar ze Schermestorf.« Anna Messenpekch erhielt von Albrecht IV, eine bedeutende Gülte zu Schirnersdorf und vererbte dieselbe an ihren Sohn Hans.

Schönstrass

Schönstrass lag nach Neills Angabe neben Rothenlehm, allein die nähere Lage konnte er nicht angeben; der Hauptsache nach ist seine Grenzbestimmung so ziemlich richtig. Das Gebiet von Schönstrass grenzte nördlich an Reinthal, nordöstlich an Enzersbrunn, östlich an Bernhardsthal, südlich an Rothenlehm und westlich an Alt-Lichtenwart. Der Platz, den ehemals der Ort Schönstrass eingenommen hatte, lässt sich genau bestimmen; heute steht der Bernhardsthaler Meierhof darauf und zu diesem Räume ist noch der gegen Norden liegende liechtensteinische Grund zu nemen. Wenn wir den ersten Nachrichten, welche uns erhalten sind, folgen, so treten uns sogleich zwei widersprechende Angaben entgegen, der Bericht der Monumenta Boica und jener eines Codex, der die Aufzeichnungen des berühmten Abtes Hermann von Nieder-Altaich enthält. Die Monumenta Boica berichten zum Jahre 1234: »actum tempore Friderici ducis Austrie et abbatis Ditmari«, dass Herr Heinrich von Lichtenwart dem Kloster Nieder-Altaich, dem er so vielen Schaden zugefügt hatte, als Ersatz dafür eine Gülte von zwei Pfund Geld verleiht; in dem Glauben an die Richtigkeit dieser Angabe wird man dadurch bestärkt, dass unter den Zeugen einige Herren von Lichtenwart erscheinen; die Nähe des Ortes Alt-Lichtenwart ist auch dazu angethan, keine Zweifel aufkommen zu lassen. Der im k. u. k. Haus-, Hof- und Staats-Archiv erliegende Codex 581 A und B enthält die richtige Angabe. Abt Hermann notiert im Jahre 1258 die Höhe der Abgaben zu Schönstrass mit den Worten: »in Schönstrazze habemus unum beneficium quod solvit ecclesie in festo Georii I. tal. et Mychah. I. taL«; darnach setzt er fort »et nota, quod dominus Heinricus de Lichtenstaein qui dedit nobis idem beneficium, est advocatus noster in eodem propter deum sine questu.« Neill hat auch hier das Richtige vermutet. Unter den Zeugen, welche von den Monumentis Boicis angeführt werden, befindet sich auch ein Heinricus de Urtail, wir werden demselben nochmals begegnen; desgleichen tritt uns der Spender jenes Beneficiums, Heinrich von Liechtenstein, noch einmal entgegen. Am 15. März 1278 bestätigte Albinus, Abt des Klosters Nieder-Altaich, einen Compromiss, den »Chunradus prepositus noster in Abtsperg« mit Rudolf Treuuo und seinen Brüdern geschlossen hatte.

Da sich ein Name Abtsperg unter den Besitzungen Nieder-Altaichs nicht findet, ist es sehr wahrscheinlich, dass hier ein Druck- oder Schreibfehler der Monumenta Boica vorliegt, es sollte wahrscheinlich »Chunradus prepositus noster in Abstorf« heissen, ein solcher wird im Cod. 581, Cap. 54 genannt »Frater Chunradus provisor noster in Abstorf«; dieser vollzieht als Bevollmächtigter des Abtes Verleihungen von in der Nähe gelegenen Gütern. Die Bestätigung dieses Compromisses lautet: >Nos Albinus .... abbas .... in Altah .... notum facimus .... quod licet .... Chunradus prepositus noster in Abtsperg (recte Abtsdorf) decimas decem beneficiorum et dimidii in Abtsdorf inferiori prope fluvium Zaya in iudicio …. a Rudolfo milite et fratribus suis dictis Treuuonibus, qui eas in iuste occupaverant sententialiter evicisset timens ne per eosdem aut et per dominum H. de Hauspach, a quo se dicebant easdem decimas feudaliter habuisse in posterum ecclesia nostra occasione huius modi gravaretur una cum Treuuonibus Heinricum de Lichtenstein .... compromisit. Ut nominata ecclesia nostra decimas easdem iure possideat .... nosque viceversa predium nostrum in Schönstrazze duas libras Wiennensium singulis annis solvens eisdem assignabitur ac insuper dabimus Wiennensium decem libras de quibus similiter aliam rem immobilem conparabunt. Ipsique tam predium in Schönstrazze quam possessionem sie emptam a predicto domino Heinrico feudaliter obtinebunt.

Abt Hermann zeichnet in einer späteren Liste der Einkünfte des Klosters Nieder-Altaich die Abgaben zu Schönstrass mit folgenden Worten ein: »item in Schönstrazze habemus unum beneficium, de quo solvitur in festo saneti Georii I. talentum et in festo saneti Mychaelis secundum. Summa per totum sunt de Schoenstrazze et de curtibus et piscacionibus seeundum quod computari potest XXXIII talenta adhuc restant duo talenta domini Henynrici de Urtail et de advocato pro satisfactionem unum talentum, item summa caseorum VII. sol. minus X. summa pullorum V. sol. et X scapule LXXX summa tritici et frumenti LXXX inodios Cysteinstorfensis mensure.« Gänzlich unbekannt ist, wie Nieder-Altaich seine Besitzungen zu Schönstrass verloren hat, denn wir erfahren in der Folge von diesen Besitzungen gar nichts mehr. Abt Hermann führt unter den Einkünften auch eine für Fischerei an; wo befand sich diese? Sie muss in der nächsten Nähe von Schönstrass gewesen sein; allein es fehlt in der ganzen Gegend an einem bedeutenderen Flusse. Der nächste Fluss von Schönstrass ist die Thaja, doch reichte das Gebiet des Dorfes nicht so weit, weil sich Bernhardsthal dazwischen schiebt; es kann also nur ein Teich in der Nähe bestanden haben. Wenn wir die topographischen Verhältnisse jener Gegend im ausgehenden XIII. Jahrhundert ins Auge fassen, so gestaltet sich das Bild der Gegend folgendermassen. Ich neme Bernhardsthal als die bedeutendste und heute noch bestehende Ortschaft als Mittelpunkt; es gruppierten sich die verschollenen Orte dann, wie folgt, um dasselbe: im Westen Schönstrass, Nordwest und Norden Enzersbrunn, Ost-Nord-Ost Ebenfeld, Süd-Süd-Ost Geresdorf, Süd Rabensburg, Süd-Süd-West Rothenlehm. Nach der Bodenbeschaffenheit ist blos an zwei Punkten die Anlage eines Teiches möglich, und zwar dort, wo er sich heute befindet — einstens stand Ebenfeld an diesem Platze — oder west-nord-westlich von Bernhardsthal, wo sich heute die liechtensteinische Wiese »Obere Teichwiese« befindet; das Wasser erhält sowol der bestehende als auch der Teich, den wir uns an der Stelle dieser Wiese denken können, vom Hametbach; diese Vermutung gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit, dass sich in der nächsten Umgebung dieser Wiese bedeutende Muschellager der gewöhnlichen hierorts vorkommenden Flussmuschel im Boden eingebettet befinden, deren Vorhandensein wol nicht leicht auf eine andere Weise erklärt werden kann; die Fortsetzung der Thalmulde führt heute noch den Namen Zapfengrube.

Herzog Albrecht III. verlieh den Huntzhaimern Gülten, die auf mehreren Dörfern verteilt waren: »item Albrecht und Philipp die Huntzhaimer habent ze lehen sechsthalb phunt phening und vierczig phening gelts mynner ains phening daz alles gelegen ist ze Zistestorf, ze Aichorn, ze Schönstrassen und ze Stainaprunn …. Andreas Druggsecz empfieng von Albrecht IV. eine Gülte von 39 den. und eine zweite im Betrage von 2 tal. den.: »Andre Druggsecz hat ze lehen .... item XXXVIIII. den. von uberlent, item II. tal. den. gelts von ainem ganczen lehen und von zwain halben lehen gelegen zu Schönnstrazz.«

Von den Männern, welche sich nach diesem Orte nannten, sind uns nur drei bekannt: Cholman Schönstrasser, Hans Schönstrasser und Moritz Schönstrasser; wir haben sie alle in diesem Aufsatze kennen gelernt.

Stranzendorf

Obwol dieser Ort nicht in der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach liegt und daher in den Rahmen dieser Arbeit nicht gehört, so habe ich denselben doch wegen seiner Nähe herangezogen. Neill handelt in diesen Blättern zweimal über ihn, nämlich 1881 und 1883, und zwar ziemlich erschöpfend, doch werden bei ihm einige Specialangaben, welche den Ort und seine Zweiteilung betreffen, vermisst. Der Nachtrag dieser Angaben ist der Zweck dieses Abschnittes. Das jüngere Rationarium Austriae sagt: In Stranzendorf sunt redditus XXXVI talentorum et illa bona habent illi de Hohenberch; ob unser Stranzendorf gemeint ist, ist zweifelhaft, aber doch wahrscheinlich; es wird nämlich in demselben Officium und in der Reihe jener Orte genannt, die in dieser Gegend liegen. Herzog Albrecht III. belehnt Zeherl den Dossen mit einer Gülte im Betrage von VII. Schill, und XI. Pfen.: »Zeherl Doss hat emphangen siben Schilling an aindlef phenning geltes gelegen ze Stranczendorff.« Albrecht IV. verlieh dem Otto Grünbeck und dessen Sohn mehrere Güter zu Stranzendorf: »Ott der Grünbeck und sein sun von Strenczendorff hat ze lehen ainen pawmgarten ze Strenczendorff oben an dem dorff und ain aw nyderhalb des dorffs und ainen halben garten bei der prugk ze Strenczendorff und an LXIIII. tal. den. gells die gelegen sind auf behaustem gut und auf Weingarten und ekkern; item ain halbs lehen ze Strenczendorff gelegen ze nechst der herren von Maurperg güter.« Friedrich Friczestorffer empfängt durch den Herzog Albrecht IV. ein ehemals gräflich Schaumbergisches Lehen: »Fridreich Friczestorffer hat ze lehen ain halbes veldlehen ze Strenczendorff Scheczhalben und ain wisen daselbs oben bei der Pulka und stösset an Öttlein des Krünpeken paumgarten das von dem von Schaumberg ze leben ist gewesen.« Im Copialund Registraturbuche des Königs Ladislaus Posthumus kommt folgende, die Belehnung Georg von Kuenrings am 29. Juni 1454 betreffende Stelle vor: »Jörg von Kunring hat ze lehen .... item ze Stranczendorff drey Schilling sechs phenning gelts.«  

Neill sagt über die Lage des Ortes: »Stranzendorf lag nordöstlich von Zwingendorf, nordwestlich von Gross-Kadolz, südwestlich von Obritz, südlich von Mailberg, östlich von Diepolz und Gross-Harras.« Diese Ortsbestimmung entspricht den natürlichen Verhältnissen ganz und gar nicht, gerade das Umgekehrte von dem Gesagten trifft zu. Stranzendorf bestand nach den Quellen aus zwei durch die Pulkau getrennten Dörfern, »item drey herberg zu Stranczendorf in baiden dörffern« sagt das Lehenbuch des Königs Ladislaus, und zwar führte jedes Dorf seinen eigenen Namen, Stranzendorf, das »obere dorff« und Stranzendorf »Scheczhhalben« von dem nahe gelegenen Schatzberge sogenannt; als Orientierungspunkte werden der Thurnhof im Oberen Dorfe, die Brücke über die Pulkau und das »pürglein« genannt. Wir haben also das Dorf direct an die Pulkau zu rücken, und zwar an den Ort, wo der Altteich seinen Abfluss hat. Diese für die Topographie wichtigen Angaben werden bei Neill vermisst.  

Valyba

Valyba, nach den urkundlichen Belegen einst ein Ort mit eigener Pfarre, verschwand, ohne auch nur eine Spur seines Daseins zu hinterlassen; denn weder ein Flurname noch eine andere Localbezeichnung erinnert an ihn. Wir können daher nicht angeben, wann er gegründet und in welcher Zeit er abgebaut wurde; die äussersten Grenzen für seine Existenz sind die Jahre 1147 und 1455. Vor allem soll die Identität der Namen Valyba und Valwa, wie die älteren Urkunden ausnamslos schreiben, nachgewiesen werden. Dazu dienen zwei Urkunden, welche durch einen mehr als 200 Jahre betragenden Zeitraum von einander geschieden sind. Im Stiftbrief des Klosters Waldhausen verleiht Otto von Machland dem neugegründeten Kloster neben anderen Einkünften den halben Zehent der drei Pfarren: Staatz, Gaubitsch und Valwa: »preterea dimidiam partem decimarum in tribus parrochiis Steuze scilicet et Valwa et Gawats«. Die zweite hier in Betracht kommende Urkunde ist der Gemechtbrief Ottos Portzer von Valyba, welcher seiner Frau Elisabet einen Zehent zu Ungerdorf und ein Lehen zu Dürnpach bei Alt-Ruppersdorf als Morgengabe bestimmt; dies geschah am 1. April 1356. Das daranhängende Siegel des Ausstellers der Urkunde hat folgende Legende: …. OT …. OR …. DEVALWA. Es ist also der Name Valyba und Valwa die Bezeichnung ein und desselben Ortes.

Derselbe Otto Portzer von Valiba verkauft mit Willen seiner Frau Peterse und seines Bruders Alber dem Kloster Altenburg eine Gülte zu Pestorf, d. i. Perersdorf. Die Urkunde ist vom Verkäufer, von Otto Rauscher, und von Chraft von Sunnberch, dem Lehensherrn des Verkäufers, besiegelt.

Schwieriger ist es, den Platz, welchen dieser Ort eingenommen hatte, zu bestimmen. Doch werden wir nicht fehl gehen, wenn wir die Localität, die heute der Ödenkirchenwald genannte Hof und das naheliegende Jägerhaus sammt Umgebung einnemen, als diejenige bestimmen, an welcher der Ort Valyba gestanden hatte. Der Name dieses Ortes beschäftigte zwei Forscher, deren Deutungen mir vorliegen. Max Fischer führt im Commentar zum »Codex traditionum Claustroneoburgensis« den Namen auf das lateinische »valva«, d. i. Türe, Tor, zurück und versetzt dementsprechend den Wohnort Heinrichs, welcher das Stift mit einer Gülte zu Eipeldau beschenkt, an das Ende des Dorfes; dies stimmt aber mit den anderen dieses Namens nicht. Diese Interpretation ist also ganz zu verwerfen. Dr. R. Müller legt im XVII. Bd. dieser Blätter, S. 120 und 121, diesem Namen das deutsche »val«, lat. »flavus«, zu Grunde und identificiert Valwa mit Voelben, Feiben und sagt, dass dies nichts anderes sei, als eine der im III. Jahrhundert beliebten Latinisierungen deutscher Namen; dies trifft aber insoferne nicht zu, als der Name schon in der ersten Hälfte des XII. Jahrhunderts und nur in dieser Form vorkommt. Sprachliche Rücksichten würden diese Identificierung fordern, dem widersprechen aber topographische Bedenken; denn in der Nähe von Gaubitsch liegt kein anderer Ort, dessen Name auf Valwa zurückgeführt werden könnte, ausser Föllim, dessen Name, soweit mir die Quellen zugänglich sind, erst im Beginne des XV. Jahrhunderts auftritt.

Der Name dieses Ortes ist von der Bodenbeschaffenheit des Platzes, an dem er gestanden, genommen und ist slavischen Ursprungs, geradeso wie Gaubitsch; »valva« von »valitislav«, sich senken, stürzen, Mulde, Sturz, Einschnitt, dies trifft bei der Beschaffenheit der Localität zu. Ich werde sofort die Platzfrage zu lösen versuchen und zeigen, dass diesem Orte mit Recht der Name Valva zukommt.
Dieses Thal hat im Ernstbrunnerwald seine höchste Umrandung. Zwischen Pyhra im Osten und Enzersdorf im Thale im Westen liegt dieses Ödenkirchen; der nördliche angrenzende Wald heisst die Kirchenleiten; diesen Platz halte ich für jenen, an welchem Valwa gestanden, es gebührt also dem Orte mit Recht der Name Valwa.

Zu dieser Anname bestimmen mich folgende Gründe. Vor allem der heutige Name der Localität, der sich auf nichts anderes mir bekanntes zurückführen lässt, ferner die Verbindung, in welcher der Ort genannt wird; er wird einmal als bei Gaubitsch liegend, das andere Mal mit Simonsfeld zusammen genannt, beide Male in derselben Angelegenheit. Ödenkirchen liegt zwischen den beiden Orten. Ein weiterer Grund scheint mir in den Besitzverhältnissen Otto Portzers zu liegen, denn derselbe ist in der Nähe dieses Ortes begütert. Paastorf im Osten davon und die vorgenannten Orte Alt-Ruppersdorf, Ungerdorf und Dürrnbach, d. i. Wilden, im Nordosten. Auf diese Weise sind die Namen Ödenkirchenwald und Kirchenleiten erklärlich.

Wie erwähnt, tritt uns der Name in der Stiftungsurkunde des Klosters Waldhausen, ausgestellt am 16. Mai 1147, entgegen; in derselben wird dem Stifte Waldhausen der halbe Zehent der Pfarren Valwa, Gaubitsch und Staatz zugewiesen. Kurze Zeit darnach übergeben Otto, Walcho und Petrisa dem Bistume Passau einige Besitzungen, und zwar Heutal, Hanftal und Valwa: item villam Heutal, item villam Haniftal item villam Valwa. 2 ) Im Jahre 1147 erlaubt Reginbert, Bischof von Passau, dem Otto von Machlant die Schenkung der beiden passauischen Lehen der Kirche zu Valwa und der Kirche zu »Sineuuellenuelde (Symonsfeld)«. Ausser dem Bischöfe von Passau waren auch die Herzoge von Österreich zu Valwa begütert; beide Rationarien führen Valwa als herzoglichen Besitz an. Das jüngere sagt: »in Valwa I. beneficium solvit modium trittici et modium avene et porcum et carradam perchrecht et hec bona habet dominus de Myssowe.« Pfarrer werden nur zwei erwähnt, und zwar im Jahre 1189 Ebergerus plebanus de Valwa und der nicht näher genannte Pfarrer, welcher am 17. December 1229 vom Bischöfe zu Prag excommuniciert wird. Am 29. Mai 1455 belehnte Ladislaus den Caspar Sulczpekh: »item zu Valiba bey Gawbatsch gelegen von ainem behaustem lehen newn Schilling pfenning gelts und XXVI metzen waitz und XXVI metzen habern.« Dies ist die letzte Kunde, die wir von Valyba besitzen. Auch ein adeliges Geschlecht nannte sich nach diesem Orte: wir lernen einen Otto apud Valwam kennen, ferner ein Engelschalcus de Valwa und einen Heinrich apud Valwam. Ein Pilgrimm de Valwa erscheint im Heiligenkreuzer Urkundenbuch, I, 139. Ulrich de Valwa wird von Rauch, II, 12 genannt.

Wieden

Neill führt unter den abgekommenen Orten Niederösterreichs auch Wieden an, dessen Name in den Benennungen Wimmerau, Wimmerhof nachklingt. Er nimmt mit Recht die traditionelle Localisierung dieses Ortes in seinen Aufsatz auf. Die Zahl der den Ort Wieden betreffenden Nachrichten ist klein und die meisten sind schon von Neill herangezogen worden. Der Name dieser Ansiedlung, welche wegen der Nähe der beiden grösseren sehr alten Orte Dürnkrut und Jedenspeugen nicht sehr bedeutend sein konnte, tritt uns verhältnismässig schon sehr früh entgegen. Im Jahre 1132 schliesst das Kloster Göttweig mit Bernhard von Gsauwarn einen Vergleich; als Zeugen fungieren Werinhardus de Sülze (Grafensulz) et fraternus Richolfus de Widen. Herzog Friedrich II. verleiht im Jahre 1241 dem Passauer Bischöfe Rudiger verschiedene Gülten: »idem villa in Poumgarten (Herrn Baumgarten), in Widen, in Chuendorf (abgekommen), in Zwerendorf (abgekommener Ort an der March). Albrecht III. belehnt den Niclas Ydungspeuger mit einer Gülte von 4 fl., dieser verkauft dieselbe an Hans von Ydungspeugen.